Respekt, Fairness und gegenseitige Rücksichtnahme sind das Fundament jedes PingPongParkinson-Turniers, sie schaffen ein druckarmes Spielumfeld, in dem sich alle sicher fühlen können. Menschen mit Parkinson treten hier auf Augenhöhe um Punkte, Sätze und Siege an und reagieren dabei oft sensibel auf Stress, Hektik und unerwartete Reaktionen aus ihrem Umfeld. Diskussionen, Zwischenrufe, übertriebene Emotionen oder taktisch wirkende Kommentare können motorische Blockaden, Unsicherheiten oder Leistungseinbrüche auslösen, unabhängig davon, ob sie von der Platte, der Seitenlinie oder den Rängen kommen.
Das bedeutet nicht, dass es in der Halle leise zugehen muss. Im Gegenteil: Begeisterung, Applaus und lautstarkes Anfeuern für spannende Ballwechsel und starke Punkte sind ausdrücklich erwünscht. Nur in ganz bestimmten Momenten ist besondere Rücksicht gefragt. Deshalb gelten in dieser Halle für alle, Spieler, Trainer und Betreuer ebenso wie Zuschauer, neben der Hausordnung der Halle und den Anweisungen der Turnierleitung dieselben Grundwerte: Rücksichtnahme, Klarheit und Respekt vor der sportlichen Leistung aller Spieler. Was das konkret bedeutet:
Für Spieler
Vor dem Spiel begegnest Du Deinem Gegenüber mit Respekt. Zur Begrüßung wünschst Du ihm per Handschlag ein schönes Spiel; spielst Du Material, das von griffigen Noppen-innen-Belägen abweicht, etwa Noppen- oder Anti-Beläge, informierst Du Dein Gegenüber vorab darüber. Ein gleichmäßiges, ruhiges Einspielen hilft beiden Seiten, in einen stabilen Bewegungsrhythmus zu finden Transparenz von Anfang an vermeidet Überraschungsmomente, die Stress verursachen können.
Im Spiel diskutierst Du nicht über Tatsachenentscheidungen des Schiedsrichters – solche Debatten eskalieren schnell und schaffen unnötige Belastung. Auf offensichtliche Fehleinschätzungen darfst Du sachlich hinweisen: Seid Ihr Euch als Spieler einig, entscheidet der Schiedsrichter entsprechend neu, andernfalls bleibt es bei der ursprünglichen Entscheidung; einigt Ihr Euch stattdessen auf eine Wiederholung des Balles, gilt das. Bei Regelfragen kann der Oberschiedsrichter hinzugezogen werden. Berührt ein Ball erkennbar Netz oder Tischkante und entscheidet dadurch den Ballwechsel, ist das eine Glückssituation und keine spielerische Leistung: Freue Dich dann nicht offensichtlich über den Punkt, sondern entschuldige Dich bei Deinem Gegenüber. Offensichtlicher Jubel wirkt unsportlich, setzt Dein Gegenüber zusätzlich unter Druck und kann bei Menschen mit Parkinson Stressreaktionen und motorische Instabilität auslösen. Ebenso bedankst Du Dich nicht für einen Fehlaufschlag Deines Gegenübers: Ein „Danke” für einen Fehler gilt im Tischtennis als unsportlich, weil Punkte nicht durch gegnerische Fehlleistungen „angenommen” werden sollen, und wird häufig als subtile Verunsicherung oder psychologischer Druck empfunden.
Nach dem Spiel reicht zur Verabschiedung mindestens ein Handschlag, sowohl mit Deinem Gegenüber als auch mit dem Schiedsrichter; zu einem möglichen Sieg zu gratulieren gilt als gute Sitte.
Für Trainer und Betreuer
Du begleitest die Spieler nicht nur fachlich, sondern prägst auch maßgeblich die Atmosphäre am Spielfeldrand. Dein Verhalten überträgt sich unmittelbar auf die Stimmung im Umfeld Deines Teams.
Anders als bei Spielern gibt es hier keine Ausnahme: Entscheidungen der Schiedsrichter werden von Trainern und Betreuern zu keinem Zeitpunkt in Frage gestellt oder kommentiert, auch scheinbar offensichtliche Fehlentscheidungen nicht. Dafür ist ausschließlich das Spielfeld über die Spieler und gegebenenfalls den Oberschiedsrichter vorgesehen.
Coaching während des Spiels ist erlaubt, Du darfst Deine Spieler unterstützen und anleiten. Entscheidend ist dabei der respektvolle Umgang mit dem Gegenüber und den Schiedsrichtern, ohne die allgemeine Spielatmosphäre zu stören. Menschen mit Parkinson reagieren sensibel auf Stress, Hektik und Unruhe – das kann motorische Blockaden oder Unsicherheiten auslösen. Ein ruhiges, besonnenes Auftreten am Spielfeldrand unterstützt Deine Spieler dabei, konzentriert und stabil zu bleiben.
Mit Deiner Besonnenheit, Fairness und Deinem Vorbild schaffst Du genau den Rahmen, in dem Deine Spieler ihr bestes Spiel zeigen können.
Für Zuschauer
Tischtennis lebt von Konzentration, bitte verzichte während der Ballwechsel auf Zwischenrufe, Kommentare und übertriebene Emotionen. Auch gut gemeinte Zurufe können die Konzentration empfindlich stören.
Berührt ein Ball erkennbar das Netz oder die Tischkante und entscheidet dadurch den Ballwechsel, handelt es sich um einen Glückstreffer statt um spielerische Leistung, ein solcher Punkt wird nicht bejubelt. Noch wichtiger: Fehlaufschläge werden grundsätzlich nicht beklatscht. Für den betroffenen Spieler bedeutet ein solcher Fehler ohnehin schon Frustration; zusätzlicher Applaus wird schnell als Spott empfunden und kann erheblichen Stress auslösen.
Zum Abschluss jeder Partie gehört dagegen Applaus für beide Seiten. Hier darfst Du ruhig lautstark werden! Begegne Spielern, Schiedsrichtern und Deinen Mitzuschauern jederzeit mit Respekt, auf und neben der Platte.
Bei wiederholten oder schweren Verstößen gegen diese Regeln kann die betroffene Person von der Turnierleitung oder dem Oberschiedsrichter verwarnt sowie zeitweise oder dauerhaft aus der Halle verwiesen werden. Und wenn sich alle daran halten, gibt es umso mehr zu feiern: Über spannende Spiele, tolle Punkte und verdiente Gewinner darf – und soll – laut gejubelt werden.
PingPongParkinson Weltmeisterschaft 2026 Hannover
